Trainingslager Gardasee

22/2/2020
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Riva del Garda
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IT
Training
Distanz (km):
1.621
Höhenmeter:
26.581
Dauer:
54:11
Autor/in:
Simon Huber

Unsere Fahrt beginnt mit dem typischen Autobahngefühl. Hoffentlich kommen wir gut an München vorbei, über den Irschenberg, über den Brenner. Danach wäre Stau nur halb so schlimm. Italienischer Stau sei leichter zu ertragen als deutscher, reden wir uns ein. Es ist Freitag, Anfang der Faschingsferien und wie durch ein Wunder erreichen wir Riva noch im Hellen.

Unsere Unterkunft, seit Jahren traditionell in einem Bergdorf etliche Höhenmeter oberhalb von Riva del Garda, erreichen wir über die geschwungene, rege befahrene Bergstraße. Diese wird ab jetzt stets die letzten Minuten auf dem Rad beanspruchen.

Nachdem wir angekommen sind und uns eingerichtet haben, geht es am nächsten Tag langsam auf die Räder. In die ersten Kilometer tasten wir uns, bekommen ein Gefühl für das Rad, die Straße, die Beine. Das Wetter ist ausgesprochen gut, die Ora haucht über den See und wir genießen den ersten Americano im Café.

Wir sind wohl die einzigen Radfahrer. An den Tischen sitzen Einheimische und ein paar Kletterer. Die Bedienung spricht in Landessprache, erfreut geben wir unser Italienisch zum Besten.

In der Früh begrüßt uns der spät winterliche Dunst, welcher vom mittaglichen Hochnebel abgelöst wird. Dazwischen kommt immer wieder die Sonne durch. Die noch schneebedeckten Gipfel blitzen dann heller als der See.

Auf unseren Fahrten begleiten uns die Gardesana Occidentale und Gardesana Orientale, die westliche und östliche Seestraße. Im Sommer vom Verkehr verstopft, dient sie uns im Frühling als Zubringer aller möglicher Pässe, als Highspeed-Strecke mit atemberaubender Kulisse. Vorbei an den Zitronengärten von Limone, geht es durch in Fels gesprengte Tunnel. An schroff abfallenden Felsen gleitet der Blick zu den weißen Kiesbuchten am gegenüberliegenden Ufer. Die Ora wird in diesen Tagen heftiger, die Luft kälter. Nur wenige Segler tanzen auf dem Wasser, während wir vorbeiziehen.

Es schickt sich eine Unterkunft im Norden des Sees zu suchen. Wir fahren stets in südliche Richtung los und lassen uns vom täglich erstarkenden Südwind heimtragen.

Zu Hause angekommen, nach langen Grundlage Ausfahrten, wie nach intensiven Intervallen, trinken wir erst ein alkoholfreies Weißbier mit Lemon Soda. Diese spezielle Zubereitung nehmen wir nicht nach Deutschland zurück, südlich der Alpen schmeckt sie aber ausgesprochen gut. Das erste Abendessen wird schnell gemacht und schnell gegessen. Meistens Nudeln.

Mit abklingendem Hunger, kümmern wir uns um die aktive Regeneration. Es wird geblackrollt, geflosst und in den eisigen Teich gestiegen. Dabei treibt wohl der Glaube an die Wirkung noch am meisten unsere Regeneration voran.

Zum zweiten Abendessen wird größer aufgekocht. Alle Radfahrer, die sonst nicht im Ferienhaus übernachten, kommen und es gibt allerlei Gegrilltes, das typische Carne Salada, Bologna Wurst und Salate.

An unseren Ruhetagen haben wir noch mehr Appetit als sonst. Das zweite Abendessen wird gerne noch um ein drittes erweitert. Wir lesen Bücher, spazieren durch die Weinberge oder wandern zum knallgrünen Tennosee. Da es im Haus keinen Fernseher und kein WLAN gibt hören wir uns über die Stereoanlage durch die CD-Sammlung. Fein säuberlich beschriftete, vergessene Selbstgebrannte.

In diesen 16 Tagen sind wir zum Team geworden. Wir leiden im Training zusammen, kommen zusammen nach Hause, kochen und spaßen zusammen.

Nur bei einem Punkt verstehen wir uns nicht. Der Plan, den See zwei mal zu umrunden, wird diskutiert, verworfen, doch nicht verworfen, im Hinterkopf behalten.

Vielleicht machen wir es im Frühjahr 2021, wenn wir wieder am Gardasee sind, dann aber wirklich.